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‚ES WERDE LICHT‘ - Beitrag für das Gemeindemagazin ‚KreuzWort‘, Ausgabe 3/2018

01.02.2019

Inzwischen unterstütze ich seit über 20 Monaten ehrenamtlich geflüchtete Frauen und Männer bei der Integration in den deutschen Arbeitsmarkt. Hier ein besonders erwähnenswerter Verlauf:

Als Reem S. im Mai 2017 zum ersten Mal zu mir in die Beratung kam, erzählte sie mir, dass sie eigentlich eine ausgebildete Erzieherin sei. Sie wolle aber auf keinem Fall mehr in diesem Beruf arbeiten, weil sie die Arbeit im Kindergarten in Syrien als ‚chaotisch‘ und ‚ohne Regeln‘ empfand.

Reem ist 32 Jahre alt und katholisch, sie war im Januar 2016 mit ihren beiden jüngeren Brüdern über die Mittelmeer-/Landroute mit dem Ziel ‚Schweden‘ geflüchtet und ist dann schließlich in Köln gelandet. Sie bewohnt mit ihren beiden Brüdern eine Wohnung in Buchforst und ist selbst in der WIKU Mülheim ehrenamtlich engagiert. Daher hatte ich Reem auch mehrmals in Aktionen mit Kindern erlebt (Kinderschminken, Kinderbetreuung bei Festen etc.) und war schnell überzeugt, dass sie für den Erzieher-Beruf sehr geeignet ist. Zudem brauchen wir ja in unseren deutschen KiTas dringend ErzieherInnen mit Fluchthintergrund. Daher habe ich sie zu einem Praktikum überredet, das in einer zeitlichen Lücke zwischen zwei Sprachkursen liegen sollte. Gesagt, getan … sie war zwei Wochen in der kath. KiTa St. Joseph in Dellbrück und danach fest überzeugt, dass sie in Deutschland in einem kirchlichen Kindergarten arbeiten möchte!

Dann konnten wir uns um die Anerkennung ihrer Unterlagen kümmern, und so begann die mehrmonatige Odyssee … die ich hier stark abkürze: Reem hatte in Syrien das Abitur auf einer Mädchenschule gemacht und dann eine zweijährige Fachschule mit dem Abschluss ‚Zertifizierte Assistentin der femininen Künste für die Fachrichtung Schneiden und Nähen‘ erfolgreich abgeschlossen. Damit konnte sie in Syrien als ‚Lehrerin‘ in einem Kindergarten arbeiten. Ihr Schul- und Fachschulzeugnis liegt im Original vor, Arbeitszeugnisse aber waren in Syrien nicht üblich.

Leider konnte von den zuständigen Bezirksregierungen überhaupt gar nichts anerkannt werden und ihr Abitur wurde letztlich – nach vier Monaten Wartezeit - nur einem Hauptschulabschluss Klasse 9 gleichgestellt.

Man kann sich vorstellen, wie viele Enttäuschungen Reem jedes Mal verkraften musste, wenn wieder ein Negativ-Bescheid kam. Mit Letzerem war dann auch die inzwischen angedachte praxisintegrierte Ausbildung (PiA) zur staatl. anerkannten Erzieherin nicht mehr möglich, obwohl wir bereits eine KiTa und die entsprechende Schule gefunden hatten.

Nach einem sehr guten Gespräch im schulfachlichen Dezernat der Bezirksregierung Köln hat Reem sich dann entschlossen, den langen 5-jährigen Weg der Ausbildung über die Kinderpflegerin zu gehen. Sie besucht nun seit Anfang September das erzbischöfliche Berufskolleg und freut sich schon auf die erste Praxisphase. Ihr BAFöG-Antrag wurde genehmigt, ihr Asylantrag endlich mit immerhin subsidiärem Schutz beschieden und ihr Deutsch ist inzwischen richtig gut geworden.

Nach so vielen Rückschlägen hat sie jetzt einen Plan für ihr berufliches Leben und sieht endlich Licht am Ende des Tunnels. Ihre Jobpatin Hendrina O. aus Dellbrück und ich sind sicher, dass sie aufgrund ihrer empathischen Art eine große Bereicherung für jede KiTa sein wird.

 

Andrea Ferger-Heiter (ehrenamtliche Unterstützung Arbeitsintegration für Geflüchtete in Köln, WIKU Mülheim und Ökumenische Flüchtlingshilfe Dellbrück/Holweide)




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